Arrival First

Verein zur Förderung von Projekten zeitgenössischer Kunst mit prozessualem und reflexivem Schwerpunkt

FILLTHEGAP!

Jakob Ehrlich
Johannes Heuer
Sali Ölhafen
Gabriele Schöne
Christiane Spatt
Birgit Zinner

Parallel Vienna
22. – 27.  September 2020
Rudolf-Sallinger-Platz 1, 1030 Wien

Jakob Ehrlich

In der Aquarellserie Homo faber? geht es auf einer Metaebene um die Anfertigung minimaler künstlerischer Interventionen auf Papier. Diese dienen dem Künstler als dokumentiertes Existieren und verweisen konkret mit ihrer Formensprache auf ähnliche Phänomene wie die auf uns gekommenen pompejanischen Graffiti oder den Aquarellmalereien der Anthroposophie. Bei erstgenannten spielt die Trennlinie zwischen Öffentlichem und Privatem eine Rolle, wobei die Malmethode aus dem steinerschen Universum auf das Spannungsfeld zwischen Bewegung und Stagnation verweist.
Die Aquarelle können somit als ein individueller Emanzipationsprozess gelesen werden, welcher gemäß Hannah Arendt eine Brücke vom herstellenden Menschen (Homo faber) zum handelnden zu schlagen versucht.

Johannes Heuer

Küchenoberflächen, Arbeitsplatten, Wirtshaustische – Resopal ist in meiner Erinnerung das Material der Unversehrtheit, der ewigen Hygiene und die vermeintliche Bewältigung mangelhaften Materials durch Oberfläche. Diese Mär der Pflegeleichtigkeit ist hängengeblieben, bis sich irgendwann meine Aufmerksamkeit auf zarte Abnutzungen der gedruckten Muster richtete, auf manchmal durch heftigen täglichen Gebrauch nachvollziehbare Abnutzungen bis tief in die splitterharte Dekorschicht und in ganz seltenen Fällen besonders insistierender Betätigung die Offenlegung des Kerns, der weichen und verletzlichen Trägerschicht.
Wie es die Porträts von Vertretern philosophischer Richtungen des ausgehenden 20sten Jahrhunderts geschafft haben, derart dieses Material zu unterwandern, ist mir schleierhaft.

Christiane Spatt

Ein roter bzw pinker Faden, der die Arbeiten auf dem ersten Blick verbindet, ist die Farbe.
Den Fotoarbeiten gemeinsam ist aber auch der Gestus des Eingriffs, der Veränderung und – die vielleicht vermessene Einschätzung der Künstlerin – der Verbesserung bezüglich Farbe und Form.
Schlußendlich wirft Christiane Spatt einen ironischen Blick auf Beurteilungskriterien und Kategorisierung und hinterfragt gewohnte Wahrnehmungsmuster.

Sali Ölhafen

Im Prozess des Malens entwickelt die Künstlerin ein Motiv, eine „Form“, wie sie es nennt, die sie in Variationen als schwebendes Element im Raum freigestellt oder auf einen Bildträger, wie in der Serie Outline/Net einsetzt.
Der Bild-Zustand steht hier an der Kippe zwischen Stabilität und Flüchtigkeit.

Gabriele Schöne

…im Reich der Schönen
…eine Strähne fiel ihr ins Gesicht und sie strich sie zurück ohne zu antworten… das übrige geschah von alleine.
Als Sonderedition während des Corona Lockdowns und Anregung durch eine Auftragsarbeit sind die Bilder der Serie „…im Reich der Schönen“ zu betrachten.

Birgit Zinner

Zeugnis der iterativen Arbeitsweise von Birgit Zinner sind ihre Serien. Für die Präsentation Fill the Gap wurden besonders die Varianten der Serien mit rechtwinkeligen, geschlossenen Formen ausgewählt. (Selbst)ironisch verweist sie auf den Drang Kunst zu produzieren und zu zeigen. Die fotografische Selbstinszenierung inmitten ihrer raumübergreifenden Arbeiten ist ein Verweis auf den sich verselbständigenden, wuchernden, ja übergriffigen Charakter von Kunstwerken, Künstlerin und dem Kunstmarkt. Durch die dichte und durchmischte Hängung vervielfacht sich das Thema innerhalb der Ausstellung.

Foto: Johannes Zinner und Birgit Zinner, copyright: Bildrecht Wien